Die größten zusammenhängenden Tropenwälder liegen in Amazonien, davon ca. 4,2 Mio. km2 in Brasilien. Sie speichern enorme Mengen Kohlenstoff und sind zentral für Klima und Biodiversität. Nahezu 20 % der ursprünglichen Waldbedeckung gingen durch Rinderweiden, Agrarflächen, Bergbau und Infrastruktur verloren. Der Aktionsplan zur Prävention und Kontrolle der Entwaldung in Amazonien (PPCDAm) steuert die sektorübergreifende Entwaldungsbekämpfung, sodass seit 2023 die großflächige Entwaldung um 50 % auf 5.796 km2 sank. Zunehmende Walddegradierung gefährdet die Fortschritte: 2024 verfünffachte sich die degradierte Fläche, vor allem durch Vegetationsbrände (Klimawandel, Brandstiftung, kleinflächige Abholzung).
Der PPCDAm kombiniert unmittelbare Kontrolle mit raumordnerischen, bodenrechtlichen, ordnungspolitischen und ökonomischen Instrumenten. Er umfasst vier Achsen, zwölf strategische Ziele und 194 Aktionslinien, getragen von 13 Ministerien und Behörden. Die Steuerung erfolgt durch eine Interministerielle Kommission und eine Exekutivkommission im Umweltministerium MMA. Die Kapazitäten in Umweltbehörden und MMA sowie die Kooperation zwischen Ressorts und Bundesstaaten sowie Abläufe der Umweltkontrolle und des Schutzgebietsmanagements sind unzureichend. Effektive Instrumente für Feuermanagement und Wiederherstellung fehlen. Schwach gesicherte Land- und Nutzungsrechte indigener und traditioneller Gemeinschaften sowie strukturelle Benachteiligung von Frauen verschärfen die Lage; Kriminalität beeinträchtigt die Sicherheit und Vollzugsarbeit.
Chancen: Hohe Priorität der Regierung für Waldschutz, NDC-Ziel Null-Entwaldung bis 2030 und Wiederherstellung von 12 Mio. ha. Politische Grundlagen: PPCDAm, nationale Politik für integriertes Feuermanagement (MIF) und Nationaler Plan zur Wiederherstellung der natürlichen Vegetation (PLANAVEG).
Projektziel: Die Umsetzung der Politik zum Schutz des Tropenwaldes in Amazonien ist verbessert. Zielgruppen: Umweltinstitutionen auf föderaler, bundesstaatlicher und kommunaler Ebene sowie traditionelle Völker und Gemeinschaften. Mittler*innen: Fach- und Führungskräfte des MMA, föderale Umweltkontrollbehörde IBAMA, föderale
Schutzgebietsbehörde ICMBio. Politischer Partner: MMA; Durchführungspartner: Sondersekretariat für Entwaldungskontrolle (SECD, Koordination PPCDAm).
Output 1: Stärkung der strategischen Steuerung/Koordination der Entwaldungsbekämpfung; Analyse der Wirksamkeit von PPCDAm und Zusammenarbeit; bessere Kommunikation zu Nutzungsrechten traditioneller Gruppen; Stärkung von ICMBio-Management; systematische Genderintegration.
Output 2: Stärkung von Überwachung und Kontrolle; Optimierung administrativer Sanktionsprozesse (Rechenschaft bei Umweltverstößen); Fortbildungen für IBAMA, ICMBio und Bundesstaaten/Munizipien; verbesserte Differenzierung legaler vs. illegaler Brände/Abholzung zur Erreichung von Null-Entwaldung.
Output 3: Breite Verankerung des integrierten Feuermanagements (MIF) mit Genderbezug; Sensibilisierung, Ausbildungsstrategie, Richtlinien für Bundesstaaten/Gemeinden; Unterstützung der Regulierungsarbeit und Beschlussvorschläge; Einbindung traditioneller Gemeinschaften.
Output 4: Stärkung von MMA für Wiederherstellung; Erfassung wiederhergestellter Flächen zur Steuerung von PLANAVEG; Schließen strategischer Lücken in Wertschöpfungsketten (Geschäftsmodelle, Professionalisierung von Saatgut/ Baumschulen); Einbindung Privatsektor, Mobilisierung privater Investitionen; Lenkung von Strafzahlungen in Wiederherstellungsinvestitionen (mit IBAMA).
10027690-Entwicklung und Implementierung strategischer Maßnahmen und Innovation zum Schutz des Tropenwaldes in Amazonien
Die politische Abstimmung und Priorisierung der Maßnahmen fällt in den Verantwortungsbereich des Projekts. Die operative Umsetzung im Einzelfall festzulegender Maßnahmen soll durch die AN erfolgen. Aufgrund des dargestellten, prozess- und bedarfsorientierten Vorgehens müssen konkrete Maßnahmen oder Meilensteine kontinuierlich überprüft und angepasst werden. Es handelt sich dabei generell um folgende Aufgabentypen:
- Analyse der strategischen Steuerung und Koordination sowie Wirkungsanalyse der fünften Phase des Entwaldungsbekämpfungsplans PPCDAm.
- Fachliche Zuarbeit bei der Erarbeitung von Aktionsplänen, bspw. Entwaldungsbekämpfungsplänen, konzeptionelle Strukturierung von Programmen, und technische Zuarbeit bei der Erarbeitung und Veröffentlichung von Verordnungen, etc.
- Technische Entwicklung und Implementierung von Datenverarbeitungs-, Analyse- Monitoring- und Visualisierungssystemen (z. B. Dashboards, Panels, Schnittstellen/APIs) sowie Generierung periodischer Berichte. Fachliche Begleitung weiterer IT-Lösungen im Rahmen der politischen Beratungstätigkeit des Projektes.
- Institutionelle Organisationsberatung mit Fokus auf der systematischen Analyse, Modellierung und Optimierung behördlicher Geschäftsprozesse (Prozessmapping) zur Effizienzsteigerung, bspw. zur Integration und zur Schaffung von Synergien zwischen fachlichen Themenfeldern innerhalb der Umweltbehörden.
- Beratungsleistungen zur partizipativen Einbindung von Vertreter*innen traditioneller Völker und Gemeinschaften in Entscheidungsgremien und zur Berücksichtigung und Förderung von Geschlechtergerechtigkeit und Menschenrechten im Themenfeld
- Konzeption, Entwicklung und Durchführung von Fortbildungsangeboten (virtuell sowie in Präsenz) und Onlinekursen für Mitarbeiter der Umweltinstitutionen und Multiplikatoren in allen Themenbereichen.
- Veranstaltungsmanagement, bspw. von Workshops, strategischen Planungen, technisch-wissenschaftlichen Seminaren etc. inkl. Vorbereitung, Logistik (Anmietung Räumlichkeiten, Übertragungstechnik, fotografische Dokumentierung, Teilnehmendenmanagement etc.), Moderation.
- Erarbeitung und Ausgestaltung von Kommunikationsstrategien und -materialien sowie Druck von Publikationen und virtuelle Verbreitung, bspw. zur zielgruppenspezifischen Ansprache (institutionelle Akteure auf verschiedenen Ebenen, traditioneller Völker und Gemeinschaften, etc.) sowie zur Prävention und Einordnung von Falschinformationen.