Die Stadt Essen verfügt heute über ein mehr als 50 km langes
Straßenbahnnetz, das über rd. 19 km in Tunnellage und über
gut 5 km auf besonderem Bahnkörper geführt wird. Der Tunnel
um den Bereich Hauptbahnhof / Rathaus / Berliner Platz stößt
bereits heute an seine Kapazitätsgrenze. Vor dem Hintergrund
hoher Linienauslastungen und prognostizierter Fahrgastzuwächse
soll durch den Bau der Citybahn als Bypass eine Entlastung des
Tunnelsystems herbeigeführt werden.
Die Maßnahme „Citybahn“ besteht aus den drei Planungsabschnitten,
die als Bahnhofstangente (BHT), Berthold-Beitz-Boulevard 3. Bauabschnitt
und Essen 51 bezeichnet werden. Der Planungsabschnitt Essen 51 beinhaltet
diese Vergabeeinheit VE 3.9.
Die Vergabeeinheit VE 3.9 erstreckt sich von der Einmündung Dinslakener Straße
bis Bocholder Straße auf einer Neubaulänge von etwa 650 m. Im Zusammenhang
mit dem Gleisneubau erfolgt die Umgestaltung des Straßenquerschnittes sowie
der barrierefreie Neubau der Haltestelle Bergmühle und Umbau der Haltestelle Bocholder
Straße.
Im Rahmen der Vergabeeinheit VE 3.9 wird die östliche Fahrbahn mit Entwässerung,
Nebenanlagen, grundhaft erneuert und zudem ein besonderer Bahnkörper in der
Regel als Rasengleis und straßenbündiger Bahnkörper in Mittellage hergestellt.
Die westliche Fahrbahn einschließlich der Nebenanlagen wurde vorab grundhaft erneuert.
Zusätzlich werden im südlichen Anschlussbereich von der Dinslaker Straße bis zur Buschhauer
Straße auf einer Länge von ca. 210 m die westliche Fahrbahn, sowie die Gleise saniert.
Die Gleisanlagen erhalten drei verschiedene Aufbauten:
• Gleis auf Betonmontageklötzen Typ B
• System Travetto offen als Rasengleis und einmal geschlossen für eine Fußgängerquerung
• Masse-Feder-System.
Das flächige Masse-Feder-System wird zum Schutz der an der Gleistrasse
befindlichen Wohngebäude unterhalb der Weichen und Kreuzung eingebaut.
Es besteht aus einer Tragplatte, einer Elastomermatte und einer Masseplatte.
Unter dem offenen Rasengleis wird ein Teilsickerrohr DN 200 in einer
Kiespackung 8/16, eingepackt in einem Vlies, zur Entwässerung mitgeführt.
Zudem werden Kabelschutzrohre unterschiedlicher Größen als
Streckenverrohrung, Haltestellenverrohrung und für die Signaltechnik eingebaut.
Straßenbau: Die Fahrbahnen erhalten in der Regel eine Deckschicht aus
Splittmastixasphalt SMA 8S, die Nebenanlagen und Haltestellen werden
barrierefrei hergestellt, bzw. umgebaut. Die Befestigungen werden
im Bereich der Gehwege mit Gehwegplatten und taktilen Elementen,
die Haltestellen mit Pflaster und taktilen Elementen nach dem Standard
der Stadt Essen/ Ruhrbahn ausgebaut. Die neuen Radfahrstreifen werden
über die Fahrbahn geführt und in großen Teilen rot eingefärbt.
Einfassungen: Die Einfassungen werden je nach Lage und Funktion
unterschiedlich ausgeführt. Die Grenzeinfassungen werden mit einem
Tiefbord T8/20 cm auf 10 cm Unterbeton und 10 cm Rückenstütze C20/25,
sowie einem in der Höhe variierenden L-Stein als Stützwand hergestellt.
Die Gehwegeinfassungen werden mit einem Hochbord 15/30 cm auf 20 cm
Unterbeton und 15 cm Rückenstütze aus C20/25 und einem Auftritt von 12,0 cm
errichtet. Die Einfassungen der Gleisanlagen erfolgt in der Regel beim Rasengleis
System Travetto mit einem Gleisbord als L-Profil h=65 cm auf 20 cm Unterbeton.
Neben allen Fahrbahneinfassungen wird grundsätzlich eine Gussasphaltrinne
h=3 cm, b= 30 cm eingebaut. Im Bereich der Bushaltestellen vor dem Busbordstein
ist die Rinne 16 cm breit. Die Straßenbahnhaltestellen erhalten als Bahnsteigkante
einen Kasseler Sonderbord SBK 20, die Bushaltestellen werden mit einem
Buskapstein Typ Essen 03 auf 20 cm Unterbeton und 15 cm Rückenstütze aus
C20/25 ausgestattet.
Entwässerung: Die Straßenentwässerung in Form von Straßenabläufen als auch
die Gleisentwässerung werden an den bestehenden Mischwasserkanal der
Stadtwerke Essen bzw. an den Kanalneubau der Stadtwerke Essen angeschlossen.
Die Gleisentwässerung besteht aus einem Teilsickerrohr DN 200 PVC-U
wandverstärkt mit Revisionsschächten DN 400 PP. Es kommen Straßenabläufe
30/50 cm aus Beton mit Beton-Gussabdeckung zur Ausführung.
In Überwegen werden Elcord-Aufsatz mit Scharnier, in Pultform, Klasse C
250, gem. EN 124/DIN 1229, 300x500 mm, Schlitzweite 16 mm, eingebaut.
Trinkwasserleitung: Im Zuge der Maßnahme wird eine Trinkwasserleitung
DN 1000 der Stadtwerke Essen (SWE) erneuert und in die Zollstraße umgelegt.
Bepflanzung: In einer separaten Vergabeeinheit werden im Nachgang
die zu pflanzenden Bäume ausgeschrieben. Im Rahmen dieser Vergabeeinheit
VE 3.9 werden lediglich die Baumgruben mit Substrat und Belüftung
ausgeschrieben und vorbereitet.
LWL-Kabel: Die LWL-Kabel der Ruhrbahn GmbH sind zurzeit provisorisch
an den Fahrleitungsmasten auf der Ostseite der Haus-Berge-Straße
aufgehangen. Nach Fertigstellung der Leerrohrtrassen der Ruhrbahn
werden die LWL-Kabel in die Leerrohre umgelegt. Anschließend können
die Fahrleitungsmaste auf der Ostseite der Haus-Berge-Straße
zurückgebaut werden.
Diese Ausschreibung erfolgt in Form einer Auftraggeber-Gemeinschaft, bestehend
aus der Ruhrbahn GmbH, der Stadt Essen und den Stadtwerke Essen AG.
Die gesamte Ausschreibung der Vergabeeinheit VE 3.9
gliedert sich in die übergeordneten Teile Straßenbahnbetriebsanlagen
und Straßenverkehrsanlagen.
Die Straßenbahnbetriebsanlagen (Kostenträger Ruhrbahn) bestehen
aus den Teilen 01, 08 und 09, die Straßenverkehrsanlagen
(Kostenträger Stadt Essen – ASV) aus den Teilen Teil 02 bis Teil 06 und 10.
Die Stadtwerke Essen (SWE) Maßnahme ist unter Titel 07 zu finden.
Die Baubeschreibungen für das Masse-Feder-System und die Umlegung
der Hauptwasserleitung der Stadtwerke Essen sind Bestandteil der
Leistungsbeschreibung dieser Gesamtmaßnahme und gelten ergänzend
und gleichrangig, sofern in dieser Gesamtbaubeschreibung nichts Abweichendes
geregelt ist.
Straßenbahnbetriebsanlagen (Kostenübernahme durch die Ruhrbahn GmbH):
Teil 01 Straßenbahnbetriebsanlagen Haus-Berge-Straße (AG= Ruhrbahn)
Titel 01.01 Allgemeine Leistungen,
Titel 01.02 Arbeiten zum Nachweis,
Titel 01.03 Rückbauarbeiten/Abbruch/Erdbau,
Titel 01.04 Entwässerungsarbeiten,
Titel 01.05 Kabeltiefbau, AZK, Schränke,
Titel 01.06 Mastgründung und -stellung für Fahrleitungen,
Titel 01.07 Gleisbauarbeiten,
Titel 01.08 Straßenbauarbeiten,
Titel 01.09 Bahnsteige / Zugänge,
Titel 01.10 Landschaftsbau,
Titel 01.11 Pflegearbeiten Rasengleis (1. und 2. Jahr),
Titel 01.12 Verlegung LWL-Kabel.
Straßenverkehrsanlagen (Kostenübernahme durch das ASV, außer Teil 07 bis Teil 09):
Teil 02 Straßenbau Haus-Berge-Straße (AG= Stadt Essen, ASV)
Titel 02.02 Erdarbeiten,
Titel 02.03 Entwässerungsarbeiten,
Titel 02.04 Tragschichten nach ZTV T-StB und ZTV SOB-StB,
Titel 02.05 Asphaltarbeiten nach ZTV - Asphalt-StB,
Titel 02.06 Randbefestigungen,
Titel 02.07 Pflasterdecken und Plattenbeläge nach ZTV Pflaster-StB,
Titel 02.08 Baustelleneinrichtung,
Titel 02.09 bleibt leer,
Titel 02.10 Besondere Positionen.
Teil 03 Beleuchtung ASV,
Teil 04 Lichtsignalanlagen ASV,
Teil 05 Markierungsarbeiten ASV,
Teil 06 Beschilderung ASV,
Teil 07 Trinkwasserleitung Stadtwerke,
Teil 08 Baumfällungen,
Teil 09 Gleiserneuerung Anschlussbereich,
Teil 10 Fahrbahnsanierung Anschlussbereich,
Die Beauftragung dieser VE 3.9 erfolgt getrennt durch die
Ruhrbahn und der Stadt Essen, wobei die Ruhrbahn den Teil
Straßenbahnbetriebsanlagen und die Baumfällungen sowie
die Gleiserneuerung im Anschlussbereich beauftragt und die
Stadt Essen die Straßenverkehrsanlagen. Der Teil 07
Trinkwasserleitung wird durch die Stadtwerke Essen AG beauftragt.
Der ausgeschriebene Auftrag wird einheitlich vergeben. Einer
Aufteilung in Fach- oder Teillose stehen wirtschaftliche und technische Gründe
entgegen (§ 97 Abs. 4 S. 3 GWB). Eine umfassende Abwägung der
widerstreitenden Belange hat ergeben, dass durch eine Losaufteilung des Auftrags
dem Auftraggeber unverhältnismäßige Kostennachteile und Verzögerungen des
Projektes entstehen werden.